Wissen.
Geballtes.
Feuerwerk verpufft. Tragwerk bleibt.

Der pixolith Lighthouse Summit 2026 – warum bei KI fast nie die Technik das Problem ist
Natürlich klingt es immer ein bisschen seltsam, wenn man seine eigene Veranstaltung lobt.
Aber: Uns egal. Schon wieder.
Der Summit liegt hinter uns und klingt bei uns immer noch nach. Laut, ehrlich und ziemlich genau das, was wir uns vorgenommen hatten.
Rund 55 Teilnehmer:innen aus Handel, Industrie, Technologie, Beratung und Wissenschaft haben sich einen ganzen Tag lang auf eine Frage eingelassen, die gerade in jedem Unternehmen auf dem Tisch liegt:
Was bringt KI wirklich – und was leuchtet nur?
Der Start: 63 Millionen Dollar und ein Nachmittag
Christoph hat die Keynote mit einem Dinosaurier eröffnet.
1993 kostete der T-Rex in Jurassic Park 63 Millionen Dollar. Fünf Stunden Rechenzeit pro Einzelbild, über hundert Workstations, drei Effektstudios – für 22,7 Sekunden Film. 2026 haben wir dieselbe Szene für 35 Dollar nachgebaut. In einem Browser-Tab, an einem Nachmittag.
| Vergleich | 1993 | 2026 |
|---|---|---|
| Budget | 63 Millionen $ | 35 $ |
| Pro Einzelbild | 5 Stunden | 3 Sekunden |
| Hardware | 100+ Workstations | ein Browser-Tab |
| Besetzung | drei Effektstudios | eine Person, ein Nachmittag |
Diese 22,7 Sekunden hätten 1993 rund 136 Tage Rechenzeit gebraucht. Ton anschalten lohnt sich.
Dann die Frage an den Raum: Und? Gänsehaut?
Die Antwort war ein ziemlich einheitliches Nein. Damit war das Thema des Tages gesetzt.
Christophs Bild dafür ist eine Burg, die jedes Jahr prächtiger wird. Erst Wimpel, dann Banner, dann vergoldete Türme, zum Schluss eine Drohnen-Show am Nachthimmel. Alle schauen nach oben. Keiner schaut auf den Burggraben – der liegt trocken.
„Was leicht zu haben ist, ist wertlos. Die Trennlinie ist nicht KI. Die Trennlinie ist Kopierbarkeit.“
Und dann der Satz, der einige KI-Roadmaps im Raum überflüssig gemacht hat:
„Copilot & Co sind keine KI-Strategie. Es ist eine Commodity.“
Ein Werkzeug, das bald jeder hat, ist kein Unterschied mehr. Der Unterschied entsteht davor – bei der Frage, welches Problem man eigentlich lösen will. Und das ist nach Christophs Erfahrung fast nie ein technisches, sondern eins von Verantwortung, Schnittstellen und Entscheidungswegen.
Keine Zukunftsprognose. Sondern eine Keynote, die niemanden geschont hat. Uns selbst eingeschlossen.
Vier Vorträge, vier Perspektiven, ein gemeinsamer Nenner: KI ist nicht das Problem
1. Holger Heinze: KI aus Beratersicht
Holger hat über sein eigenes Gewerbe gesprochen. Den Titel hat er selbst gewählt: Wie die Scheißaffen mir meinen Traumjob weggenommen haben.
Seine Diagnose ist unbequem. Die Unternehmensberatung verdient ihr Geld mit Junioren und Consultants. Genau diese beiden Stufen ersetzt die Maschine zuerst. Zwei Probleme auf einmal: keine Ausbildung mehr, und keine Cash Cow.
„Nicht KI macht Slop. Verantwortungslose Menschen mit KI machen Slop. Früher hatten sie Berater dafür.“
Bissig und selbstironisch – mit einer Botschaft, die jede Branche trifft: Wenn KI das Produzieren übernimmt, verlagert sich die Arbeit aufs Prüfen. Die Zeit, die beim Schreiben frei wird, muss in Konzept und Qualitätssicherung zurück. Wer sie als Effizienzgewinn verbucht, produziert nur schneller Mist.

2. Jonathan Roxlau (G. Wurm): AI im B2B Commerce
Jonathan hat gezeigt, was sein Team mit KI inzwischen alles hinbekommt: Ländershops in Tagen, ein Video in acht Sprachen, automatisierte Produktdaten, einen eigenen Einkaufsassistenten, ChatGPT Ads. „Ich könnte hier aufhören“, sagte er – und hat dann erst richtig angefangen.
Denn daneben stand die ehrliche Bilanz: acht Länder, aber noch kein internationaler Durchbruch. KI-Bilder, aber noch keine stärkere Marke. Ein Assistent, den kaum jemand nutzt. Die Entwicklung skaliert. Der Umsatz nicht.
„Spannend ist nicht dasselbe wie wirksam.“
Statt einer Frage stellt er deshalb vier: Ist es technisch machbar? Ist es zuverlässig? Wird es genutzt? Entsteht Geschäft? Am Ende entscheidet der Warenkorb, nicht die Demo.
Kein Abgesang auf KI – G. Wurm baut weiter. Aber bewertet genauer.
3. Vanessa Grabiec (Pimcore): Der Sprung, der Geld bringt
Vanessa hat mit einer Frage angefangen, bei der fast alle Hände runtergingen: Wer kann mir jetzt sagen, wie viel Prozent seiner Produkte vollständig gepflegt sind?
Ihre Antwort auf die Frage, woran KI-Projekte scheitern: fast nie am Modell. Sondern an dem, was unter den Daten liegt. Eine KI kann nichts über ein Sortiment wissen, das nirgends steht – außer in Excel-Dateien und in Köpfen. Dafür hatte sie eine Treppe mit fünf Stufen Datenreife dabei, und die Ansage, dass der lohnende Sprung nicht der nach ganz oben ist.
„Über Stufe 5 wird geredet. Stufe 3 verändert Ihren Alltag.“
Kein Buzzword-Bingo. Dafür ein Vorher-Nachher, das man sofort auf den eigenen Shop übertragen konnte: aus sechs Wochen bis zur Listung werden drei Tage – ohne dass am Shop eine Zeile programmiert wird.
Speed Coaching – schon wieder die Stunde der Wahrheit
Wie im Vorjahr endete der Tag mit dem Speed Coaching. Vier Gruppen, acht bis zehn Leute pro Runde, anderthalb Stunden.
Das Prinzip: Jeder bringt seine brennendste Frage mit. Stellt sie seiner Runde. Und gibt umgekehrt jedem anderen eine Antwort auf dessen Frage. Keine Bühne, keine Hierarchie, kein Filter.
Was vorne als Impuls beginnt, trifft hier auf den eigenen Fall. Und plötzlich sitzt da jemand aus einer ganz anderen Branche und hat genau die Antwort, auf die man selbst nicht gekommen wäre.
Das ist anstrengend. Und es ist das Format, über das hinterher am meisten geredet wird.
Danke an die, die den Tag möglich machen
Ohne unsere Sponsoren wäre so ein Tag nicht möglich – und erst recht nicht kostenfrei.
Danke an Pimcore als Haupt-Sponsor, an Shopware und PayPal. Und an alle, die für das Drumherum gesorgt haben: Mollie mit der Kaffeebar, Klaviyo mit der Cocktailbar, BatteryIncluded mit der Whiskeybar und B2B Sellers mit dem Frühstück.
Laut, ehrlich, lebendig. Schon wieder.
Was bleibt, ist auch dieses Jahr vor allem ein Gefühl.
In den Pausen war es laut – richtig laut.
Weil diskutiert, widersprochen und weitergedacht wurde.
Und abends um halb zehn war der Laden immer noch voll.
Das ist für uns der beste Gradmesser. Wenn in den Pausen mehr passiert als auf der Bühne, dann waren die richtigen Leute im Raum.
Danke an alle, die dabei waren.
Bis zum nächsten Mal. Let’s fetz.


